Sonntag, 27. Mai 2012

Abseits von Tokyo: 25. Mai - Auf zum Fuji!

Bitte verzeiht mir, dass ich erst jetzt wieder blogge. Ich hatte die letzten Tage tatsächlich keinen Internetzugang und blogge jetzt vom Hotelzimmer in Narita aus.


Nun war jedenfalls der Tag gekommen, an dem ich mein geliebtes Tokyo verlassen musste. Ich war vor Aufregung sehr früh auf den Beinen und habe die Zeit genutzt, das gute Frühstück im Hotel in Anspruch zu nehmen. Außerdem habe ich mir noch im Convenience Store um die Ecke etwas Proviant für die relativ lange Busfahrt besorgt. ... Auf dem Weg dorthin (ja, in dieser Straße passiert tatsächlich IMMER irgendetwas und das ist lustig; vielleicht ein Grund, mal wieder in dieses Hotel zu gehen?) hat mich ein junger Mann in ein Gespräch verwickelt; wollte wissen, ob ich da Sweet Lolita oder einen anderen Stil trage. Es war Classic Lolita und dann fragte er nach meiner Handynummer. Hätte ich nicht gewusst, dass das eine Masche ist, um junge Mädchen dazu zu bringen, in irgendwelchen dubiosen Clubs zu arbeiten, hätte ich es mir vielleicht überlegt. Der war niedlich.
Woran erkennt man, dass es eine Masche ist? Das ist nicht sonderlich schwer. Meist sehen sie aus wie Hosts, sprich: sehr gepflegt, auffällige Optik. (Sie haben so gut wie immer die Haare in besonderer Form hochgestylt, meist sind diese auch hell(er) gefärbt. Manchmal tragen sie helle Circle Lenses, also Kontaktlinsen, die die Iris optisch vergrößern und Makeup scheint denen auch kein Fremdwort zu sein. Außerdem sieht man sie oft in einem engtallierten, dunklen Anzug und mit ggf. offenem Hemdkragen. Ich habe aber auch schon viktorianisch inspirierte Hosts oder welche im Visual-kei Style gesehen. Manche Leute witzeln, Hosts sehen aus wie Frauen oder Animefiguren.) Ein anderes Indiz ist es, wenn sie Schreibunterlagen dabei haben, um sich direkt alle Handynummern aufschreiben zu können oder wenn sie stundenlang scheinbar belanglos an einem Ort herumstehen, bzw. einen schon von weitem fixieren, um dann auf einen zuzugehen. Im Gegensatz zu Hosts stehen die aber nicht in Kleingruppen am Straßenrand herum, sondern irgendwo allein mitten auf der Straße. Ich glaube ja mittlerweile, dass der Mann, der mich am zweiten Tag meiner Reise in Shinjuku auch so einer war, wobei der nicht nach meiner Nummer gefragt hat ... Vielleicht war er auch einfach privat interessiert. :D

Mit dem zusätzlichen Rucksack, an dem mein Strohhut klemmte und zwei großen (Closet Child-) Tüten extra in den Händen machte ich mich endlich auf zum Busterminal. Die 20 Minuten dorthin waren mit dem ganzen Gepäck und der drückenden Hitze eine ziemliche Qual, aber endlich angekommen konnte ich immerhin im Schatten stehen. Ich war eine gute Stunde zu früh, aber ich hatte echt Panik, den Bus verpassen zu können, welcher um 9.40 Uhr fahren sollte. Er hatte aber etwas Verspätung und da wurde ich nervös; einer der Bushelfer sprach mich an, ob er helfen könne. Ich zeigte ihm mein Ticket und er machte eine beruhigende Geste. "Matte, matte" sagte er. Ich schaue zwar wenig Animes, aber DAS war ein Ausdruck, den ich mal aufgeschnappt habe. :D "Warte, warte" heißt das.

Die Busfahrt selber war gut. Tüten auf die Ablage überm Sitz, Schuhe aus, Kera (jap. Modezeitschrift) vor die Nase, Musik ins Ohr. Oah, seit fast zwei Wochen das erstmal mal wieder Musik!! Ich war glücklich.
Man war irgendwie über eine Stunde unterwegs. Vielleicht waren es auch zwei. Ich weiß es nicht mehr. Ich wusste nur, dass ich in Kawaguchiko (Endstation) raus musste, war aber irritiert, dass es noch Zwischenstationen gab, denn von denen wusste ich nichts.

Der Himmel war mittlerweile zugezogen, aber gegen Ene der Fahrt konnte man den Fujiyama zum Teil sehen. (Trotzdem lohnen sich Bilder an dieser Stelle noch nicht.) Als ich ausstieg, hats schon zu nieseln angefangen. Aber ich wurde von Mami, meinem Cousin, meinem Onkel und meiner Tante angeholt. Wir stiegen dann schnell ins Mietauto und fuhren erstmal Richtung Miethäuser, um das Gepäck abzuladen. Vorher haben wir noch einen Zwischenstopp bei einem Schlachter gemacht, der deutsche Würstchen verkauft. So als kleines deutsches Highlight bei der für die am Abend geplante Grillfeier war die Idee vielleicht ganz nett. Es wurde auch anderes Fleisch gekauft, aber ehe Mami und Leif da drinnen fertig waren, hat es Stunden gebraucht. Der Schlachter hatte das Fleisch nämlich erst noch zerteilt und dann fein filetiert, während zwei Gehilfen immer drumherum wuselten. Dann gabs noch scharfe Zimtbonbons zum Schluss, die wir alle ziemlich gut fanden.

Bei den Mietshäusern waren wir die ersten. Es waren drei Häuser im modern japanischen Stil für die Gäste angemietet. Zu fünft teilten wir uns ein Haus, die anderen (etwas größeren) Häuser waren dichter belegt, um insgesamt um die 25 Menschen unterzubringen.
Sie befanden sich in einer idyllischen Anlage, von der Baustelle hinterm Haus abgesehen. Der Ort war sowieso ziemlich Kleinstadtmäßig, wenngleich er relativ groß ist im vergleich zu unseren Kleinstädten. Auf dem Weg nach Kawaguchiko fuhr man auch durch schöne, grüne, bergige Landschaft. Fujiyoshida hieß aber der Ort, in dem sich die Häuschen gefanden; er hängt mit den Ortschaften drumherum zusammen.

Häuser wie diese habe ich noch nie gesehen. Hochinteressante Architektur.


Fakt war jedenfalls, dass es drei Etagen hatte. Eine Art Keller mit Fußbodenheizung; von dort aus konnte man durch das mehrfach durch Türen geteilte Bad in eine Nische nach draußen gehen, wo es einen kleinen Onsen gab, also eine Wanne, in die permanent heißes Wasser plätscherte. In er selben Etage gab es zwei Betten, in denen dann meine Tante und mein Onkel schließen. Die Mittlere Etage war das Ess- und Wohnzimmer, sowie die Küche. Man konnte von dort aus auf eine Terrasse gehen. Das Obere Stockwerk war eine Mischung aus Wohn-und Schlafzimmer. Links war eine Sofaecke, rechts mehrere breite Plattformen (ähnlich wie in einer Sauna, nur größer) und der Boden war mit Tatami-Matten (also feinen Strohmatten) ausgelegt. In den Schränken an der Wand befanden sich Futons (dünne Schlafmatratzen). Ich habe mir einen auf der obersten Plattform ausgebreitet und diese als mein Revier erklärt, indem ich sie mit meinen Sachen vollstellte. Ich fühlte mich angekommen.


Der Eingangsbereich mit Bank in der Nische, um seine Schuhe zu wechseln...




Unten...


Onsen...


Oben...




Wenig später wurde ich gefragt, ob ich zum Einkaufen mitkommen möchte, um noch den Rest für die Grillfeier zu besorgen. Klar, warum nicht.
Wir fuhren in einen großen Supermarkt; kein Vergleich zu den Family Marts und sonstigen Convenience Stores in Tokyo.
Dort fand ich dann auch die Zimtbonbons wieder. Und auch endlich den ganzen tollen, bunten japanischen Naschkram, nach dem ich in Tokyo so lange gesucht habe. :D Habe mich erstmal ordentlich eingedeckt. (Ein ganz klein bisschen davon hat tatsächlich noch Platz in meinem Koffer gefunden, nachdem ich meinem Onkel und meiner Tante ein paar meiner Kleider zugeschoben habe.)
Allgemein fand ich das Einkaufen dort sehr interessant. Total exotisch. Da war fast nichts wie bei uns. Onkel und Tante haben versucht, sich Zutaten für ein europäisches Frühstück zusammenzusuchen, was eher ein bisschen gescheitert ist, wie ich glaube. Fürs Mittagessen habe ich mir eine Lunchbox gekauft mit Reis, Fleisch, etc. Habs mir dann später in der Mikrowelle warmgemacht.
Bilder durfte man darin leider nicht machen, aber hier ist ein Teil meines Einkaufes:




Manche Sachen haben supertoll geschmeckt. Andere waren viel zu süß. Der Rest schmeckte anders als erwartet ... Nicht wirklich essbar waren die bunten Jellies, rechts auf dem zweiten Bild. Schmeckten alle gleich, purer Zucker, komischer Nachgeschmack und gruselige Konsistenz. :D Tja, und damit habe ich meinen Koffer belastet. xD Am leckersten waren die Panda-Pockys (Kakao-Stäbchen mit Milchkreme und Keksstrückchen, die Schoko-Keks-Pilze und die Zimtbonbons (rechts) vom ersten Bild.
Links im zweiten Bild, diese Pokemon-Klöpse, schmeckten wie Quarkbällchen. Das daneben ist ein Set, mit dem man auf Basis der molekularen Küche die Zutaten für ein Sushi-Röllchen mit Wasser anrührt. :D

Während des Einkaufens ist meine Bettnachbarin mit ihrer kleinen Tochter bei den Häusern eingetroffen.
Sie sind Chinesen, aber wir konnten uns mit ihnen gut auf englisch unterhalten. Gisele, die Tochter, ist echt niedlich. Erst war sie eingeschüchtert von mir, aber nachdem ich ihr dann Süßes angeboten habe, wurde ich nach und nach die beste Freundin. xD
Allmählich trudelte dann auch die japanische Familie ein. Was sagen Japaner/innen, wenn sie mich sehen? Genau. "Kawaii!" Kennen wir ja schon. Jedenfalls haben sich alle übereinander gefreut. Ich mich auch.
Von der jap. Verwandtschaft selber waren da: Mamis Mutter, ihre Onkels und Tanten (keine Ahnung, wieviele das nun genau waren, aber vier mindestens), ihre Großeltern, Mamis beiden Brüder und die Frauen/Freundinnen. Dann waren noch jede Menge Freunde mit ihren Kindern da. Himari, oder auch Hima-chan, hat einen Narren an mich gefressen. Ich glaube, die ist 4 Jahre alt und hat mich immer "Hime-sama" genannt, also in etwa "Prinzessin". Das hat sie so weit überall verbreitet, dass mich am Ende alle nur noch Hime-sama genannt haben. Ist vielleicht einfacher als "Annabel", wobei sie sich auch Mühe gegeben haben, mich Annabel-san zu nennen, was wegen dem "l" am ende ganz schwer für die auszusprechen ist. Es klang oft ein bisschen wie "Annabelü", wobei sie das l gerollt haben, sodass es wie eine Mischung aus "l" und "r" klingt.

Die Grillfeier fand unter einer Überdachung statt, bei der man die Seitenwände zuziehen konnte. Es standen überall breite Tische mit eingelassenen Grillrosten.




Rechts Himari, daneben Gisele. Den Namen der Kleinen weiß ich nicht mehr.


Auf den Rosten haben wir dann alles Mögliche zubereitet, wobei ich immer für mich etwas auf den Rost gelegt habe, das dann aber von anderen gegessen wurde; dafür wurde mir immer immer das Zeug, was die anderen draufgelegt haben, auf meinen Teller getan. Verkehrte Welt. :D Ich mag doch gar keine Avokado.
Aber es wird allgemein einfach mehr geteilt als bei uns. Das habe ich im Isakaya so erlebt, das habe ich mit den Australierinnen so erlebt. Man teilt sich ungefähr alles, was auf einen Tisch kommt.
Ich hatte mich ja absichtlich zu den Japanern gesetzt; am Tisch mit meinem Onkel und meiner Tante hätte das bestimmt anders ausgesehen. ^^ An meinem Tisch saßen noch Mamis Mutter, ihre beiden Brüder mit Frau/Freundin und eine von Mamis Freundinnen mit Kind. Sie waren alle sehr herzlich. Manche sprachen auch etwas englisch. Das Englisch von Mamis Schwägerin ist etwas mehr als halb so gut wie meins, ich bin nicht ganz so schlecht in englisch. ... Aber als sie erzählt hat, dass sie Englischlehrerin ist, war ich doch ein bisschen besorgt, ehrlich gesagt. Für Japaner scheint das aber schon enorm gut zu sein.

Während des Essens bin ich hier und da mal rumgegangen, hab ein bisschen Geschenke an die Kiddies und die nahen Verwandten von Mami verteilt und ein paar Bilder gemacht. Später saß ich noch ein Weilchen mit im Haupthaus und hab ein bisschen mit den Japanern geklönt. Mit Händen und Füßen klappt es ja irgendwie, wenn sich alle Mühe geben.



Es war jedenfalls ein sehr netter Abend. Mit dieser Familie komme ich echt gut klar, sie sind alle total niedlich und absolut sympathisch. Und obwohl man glaubt, dass Japaner/innen ja eher distanziert sind; zu mir waren sie durchgehend sehr herzlich und auch relativ offen, dabei aber trotzdem immer sehr respektvoll. Je länger wir zusammen waren, desto offener wurden sie aber und irgendwann war ich dann vollkommen in ihren Kreis aufgenommen (nach der Hochzeit am folgenden Tag dann).

Ich habe übrigens ein neues Wort gelernt. "Oishii". Die Japaner haben immer "Oishii?" gefragt, wenn ich etwas gegessen habe. Irgendwann kam ich dann drauf, dass es sowas wie "Lecker?" heißen muss, weil die Kinder das auch immer gesagt haben, wenn sie sich was Süßes in den Mund gestopft haben.



                                                   ~ Nostique ~







Kommentare:

  1. Aww das klingt ja nach den rstlichen Tagen mal richtig entspannt ^^ muss ja auch mal sein :D
    Und dann bist du auch bald wieder da oder? Montag? Dienstag?

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  2. Montag abend bin ich wieder da. :)

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    1. Und dann Dienstag mündliche Prüfung? Oder Donnerstag?

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